„Wir sind Rassisten“ – Jüdische Israelis bekennen sich zur Apartheid

Jüdischer Siedler in Hebron bespritzt palästinensische Frau mit Wein
Quelle: http://warincontext.org/2009/11/20/israel-apartheid-and-beyond/
© unbekannt

Grafitti in Hebron: „Araber in die Gaskammern“
Quelle: http://www.inminds.co.uk/article.php?id=10259
© unbekannt

hintergrund.de – Onlinenewsportal der Zeitschrift Hintergrund                                   REDAKTION, 25. Oktober 2012

Die Mehrheit der israelischen Juden möchte die arabische Bevölkerung aus ihrer Lebenswelt verbannen. Das ergab eine Studie, die das Meinungsforschungsinstitut Dialog im Auftrag der US-amerikanischen NGO New Israel Fund (NIF) durchgeführt hat. 74 Prozent bestehen auf getrennten Straßen für Juden und Palästinenser im seit 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Immerhin 42 Prozent möchten nicht, dass ihr Nachwuchs in der Schule zusammen mit arabischen Kindern unterrichtet wird. 47 Prozent stimmen sogar einem Transfer von israelischen Arabern aus dem israelischen Kernland auf die Westbank zu (40 Prozent sprechen sich dagegen aus).

Auch eine weitergehende Entrechtung und Diskriminierung der arabischen Bevölkerung wird mehrheitlich von den jüdischen Israelis gewünscht: 49 Prozent fordern, dass der Staat generell jüdische Bürger gegenüber arabischen bevorzugen soll. 59 Prozent lehnen eine Gleichbehandlung von jüdischen und arabischen Bewerbern bei der Arbeitsplatzvergabe im öffentlichen Dienst ab. Im Falle einer offiziellen Annektierung des Westjordanlands durch Israel wollen 69 Prozent der dort ansässigen palästinensischen Mehrheit das Wahlrecht verweigern (nur 19 Prozent wollen es gewähren). 33 Prozent wünschen sogar, dass den arabischen Israelis im Kernland das Wahlrecht entzogen wird.

Dass in Israel bereits Apartheid herrscht, denken 58 Prozent der befragten jüdischen Israelis (nur 31 Prozent bestreiten das). Und eine Mehrheit sehnt sich offenbar danach, die nach ethnischen Kriterien eingerichtete Zwei-Klassen-Gesellschaft in weiten Teilen staatlich zu legitimieren.

„Wir sind Rassisten, sagen die Israelis, wir praktizieren Apartheid, wir wollen auch in einem Apartheidstaat leben. Ja, das ist Israel“, paraphrasiert der israelische Journalist Gideon Levy die Essenz des Ergebnisses der Umfrage in Haaretz. (1)
Es lege ein Bild der israelischen Gesellschaft frei, das sie als „sehr, sehr krank“ zeige. Nun seien es nicht mehr nur Kritiker im eigenen Land und im Ausland, die darauf aufmerksam machten. Es seien „Israelis, die sich selbst offen, schamlos und ohne Schuldbewusstsein als nationalistische Rassisten definieren“, weist Levy auf die Tragödie hin, die die Umfrage zutage befördert. „Die Israelis bekennen sich dazu, was sie sind, und sie schämen sich nicht dafür.“ Umfragen zu dem Verhältnis der Juden zu den Arabern habe es in der Vergangenheit sehr viele gegeben. „Aber niemals zuvor sind Israelis so zufrieden mit sich selbst gewesen und stehen sogar zu ihrem Rassismus.“ Die meisten hielten Israel für einen guten Ort zum Leben – nicht obwohl es ein rassistischer Staat sei, sondern offenbar weil es ein rassistischer Staat sei, benennt Levy das zentrale Problem.

Das Umfrage-Ergebnis beleuchte nicht nur die hässliche Gegenwart der israelischen Gesellschaft. Es konfrontiere die jüdische Mehrheit mit ihrer Zukunft. Es sage: „Ihr wollt Siedlungen, Besatzung, Netanjahu. Und Ihr habt nichts für eine Zwei-Staaten-Lösung getan, daher ist sie gescheitert“, meint Levy. Die Alternative sei nun eine Ein-Staat-Lösung, und „die meisten Israelis sagen, das wird ein Apartheidstaat, einige wollen ihn sogar“. Ihre Devise sei, „Demokratie und Völkerrecht – das sind die Angelegenheiten der Antisemiten, nicht unsere. Wir werden wieder Netanjahu wählen und sagen, wir sind die einzige Demokratie im Nahen Osten und beklagen, dass die ganze Welt gegen uns ist“.

Eine noch düstere Analyse und Zukunftsprognose kommt von dem Philosophen und Mitbegründer der sozialistischen Organisation Matzpen, Moshe Machover. Für ihn stand lange vor der Erhebung außer Frage, dass in Israel Apartheid herrscht – und zwar im Sinne der Definition der UN, die eine „systematische Diskriminierung“ einer bestimmten Menschengruppe nach „rassischen“ oder ethnischen Kriterien bedeutet. (2)

Machover verweist aber auf eine Besonderheit der israelischen Apartheid gegenüber der südafrikanischen, die seit 1994 der Vergangenheit angehört. „Der südafrikanische Kolonialstaat basierte auf der Ausbeutung der Arbeitskraft der eingeborenen Bevölkerung. Diese Menschen wurden heftig unterdrückt und schwer diskriminiert, aber ihr Dasein war lebensnotwendig für die politische Ökonomie des Siedlerstaates. Sie waren ein Wirtschaftsgut“, erläutert Machover. Die zionistische Kolonialherrschaft hingegen ähnele der Nordamerikas und Australiens. Sie basiere „auf Exklusion der eingeborenen Bevölkerung durch verschiedene Formen der ethnischen Säuberung“. Diese Form der Unterdrückung sei viel schlimmer als die Apartheid in Südafrika, meint Machover, denn sie sei viel schwieriger aufzulösen.

(1) http://www.israeli-occupation.org/2012-10-24/gideon-levy-apartheid-without-shame-or-guilt/
(2) http://www.israeli-occupation.org/2012-10-24/moshe-machover-on-israeli-apartheid/

Quelle: http://www.hintergrund.de/201210262297/politik/welt/wir-sind-rassisten.html

Palästinensische Fußball-Nationalmannschaft bestreitet erstes Heimspiel für eine WM-Qualifikation

Palästinenschische Fußball-NationalmannschaftAngesichts der von Israel auferlegten Reisebeschränkungen gegen die Einwohner der West-Bank und des Gaza-Streifens hat der Palästinensische Fussballverband oft sogar Probleme, Trainingseinheiten mit dem gesamten Team durchzuführen. Viele Spieler der Mannschaft stammen aus der palästinensischen Diaspora von so entfernten Ländern wie Chile oder den Vereinigten Staaten.

Israels Weigerung der Ausstellung von Ausreise-Visa hat in der Vergangenheit immer wieder dazu geführt, dass einzelne Spieler oder die ganze Mannschaft ihr Land nicht im internationalen Fussball vertreten konnten. Einige Athleten waren immer wieder auch direkt vom Konflikt mit Israel betroffen. So wurde Mittelfeldspieler Tariq al Quto von den Israelischen Streitkräften getötet und Torjäger Ziyad Al-Kord wurde Opfer eines absoluten Reiseverbots und sein Haus wurde zerstört. Bei der dreiwöchigen Bombardierung und Besetzung von Gaza durch Israel (Operation „Cast Lead„) starben 1.417 Palästinenser, unter ihnen die Fussballspieler Ayman Alkurd, Shadi Sbakhe und Wajeh Moshtahe.

Quellen:

http://footballpalestine.blogspot.com/
http://www.haaretz.com/news/national/palestinian-soccer-team-advances-to-next-world-cup-round-1.371145
http://www.abc.net.au/worldtoday/content/2006/s1676020.htm
http://www.the-afc.com/en/tournaments/men-a-youth/fifa-world-cup/35565-palestine-v-afghanistan-
http://en.wikipedia.org/wiki/Palestine_national_football_team

Neues israelisches Gesetz verpflichtet Palästinenser für die Kosten der erzwungenen Zerstörung ihrer eigenen Häuser aufzukommen

Ein Ausschuß des Israelischen Parlamentes (Knesset) hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Palästinenser verpflichtet, die Kosten für die Zerstörung ihrer Häuser durch israelische Streitkräfte an die israelische Regierung zu erstatten. Das Gesetz wird jetzt an die Knesset für eine letzte Lesung weitergeleitet und es wird erwartet, dass das Gesetz demnächst verabschiedet wird.               Häuserzerstörung in Hebron (Quelle: anticap.wordpress.com)

Seit 1967 haben die israelischen Streitkräfte 24.813 palästinensische Häuser in den besetzten Gebieten abgerissen. Rund 90% der Häuser wurden aus „verwaltungstechnischen Gründen“ abgerissen, weil sie entweder ohne Baugenehmigung errichtet wurden oder sich in Gebieten befinden, in deren Nähe militärische Einrichtungen des israelischen Militärs liegen oder sich eine Straße befindet, die von der Armee oder Siedlern benutzt wird. Es muss betont werden, dass Palästinenser keine andere Wahl haben als ‘illegal’ zu bauen, da seit 1967 in den besetzten Gebieten keine Baugenehmigungen mehr an Palästinenser erteilt werden. Die restlichen rund 10% der Häuserabrisse gelten als Bestrafungsaktionen gegen Palästinenser oder deren Familien, wenn sie an politischen Aktivitäten gegen Israel oder Angriffe gegen israelische Bürger teilgenommen haben.

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2011 wurden mehr palästinensische Häuser zerstört als während des gesamten Vorjahres. Dabei wurden 706 Palästinenser obdachlos, unter ihnen 341 Kinder. Diese aktuellen Zahlen wurden von der Israelischen Besatzungsverwaltung veröffentlicht.

Wenn das Gesetz in letzter Lesung von der Knesset verabschiedet ist, wird jeder Palästinenser, dessen Haus vom israelischen Militär zerstört worden ist verpflichtet, mehrere tausend Dollar zur Deckung der Abrisskosten zu bezahlen. Etliche palästinensische Hauseigentümer, hauptsächlich in Jerusalem, sind bereits gezwungen worden, den Abriss ihrer Häuser zu bezahlen.

D9 Caterpillar Bulldozer der israelischen Armee © MathKnight, Hebrew Wikipedia & WikiCommons

Die Israelischen Streitkräfte benutzen für den Abriss der palästinensischen Häuser gepanzerte Bulldozer des Typs D9R aus US-amerikanischer Produktion des Herstellers Caterpillar. US-amerikanische und internationale Aktivisten haben daher zu einem Boykott der „Caterpillar Tractor Company“ aufgerufen, weil der Gebrauch der Bulldozer zum Abriss palästinensischer Häuser gegen internationales Recht und die 4. Genfer Konvention verstößt. In Artikel 33 der 4. Genfer Konventionen ist festgelegt, dass “niemand für eine Tat, die er/sie nicht persönlich begangen hat, bestraft werden darf. Kollektive Bestrafung oder ähnliches sind Maßnahmen der Einschüchterung und des Terrorismus und damit verboten”. Gebäudezerstörungen zur Bestrafung gelten daher als Verletzung dieses Artikels.

Quellen:

http://www.imemc.org/article/61573
http://www.icahd.org/?page_id=6047
http://de.wikipedia.org/wiki/Caterpillar_D9